Gilde Schlauchboot Fahrt

TEIL 1 Kelheim-Klosterneuburg

Bilder gibt es hier: schlauchbootfahrt

1. Tag, Sa 4.7.2009
Das Material und die Boote kamen gemeinsam mit Bibi, Astrid, Dagmar und Hartl im vollgepackten Auto nach Kapfelsberg, knapp unterhalb von Kelheim. Sonja und Codo reisen öffentlich also Wien Westbahnhof über Regensburg nach Poikam, dann anschließend ein kurzer Fußweg bis Kapfelsberg. Besser hätte man es nicht planen können, bevor der Wirt die ersten Erfrischungen bringt, sind alle Teilnehmer am Treffpunkt beim Campingplatz eingetroffen. Nach einer kurzen Stärkung beginnt das Abladen, Aufbauen und Beladen der Boote. Für die ersten Gepäckstücke ist die Reise jetzt schon vorbei: die Campingsesserl und auch das maßgefertigte Sonnendach dürfen nicht mitkommen.
Generell ist der Ausblick auf die kommenden nautischen Herausforderungen, zumindest in Österreich, nicht berauschend.

Donau.pdf

Bei Stromkilometer 2403,450 (Sportboothafen; gebührenpflichtig für die Benützung der Betonrampe zum ins Wasser geben unsere 2 Schlauchboote beträgt der Listenpreis 28 € nach intensiver Verhandlung bezahlen wir nur 19 Euro!), wo unsere Reise in etwa beginnt, wirkt die Donau jedoch sehr friedlich und es sind auch keine Spuren von Hochwasser zu sehen.
So beginnt unsere Reise abends mit der Suche nach dem ersten Übernachtungsplatz. Nach irrtümlicher Einfahrt in einen Altarm (der Fischer, der uns fotografiert will die Bilder wohl nicht daheim aufhängen) finden wir auch eine optimale Stelle am rechten Ufer bei Stromkilometer 2404, die den Booten und auch den Zelten sicheren Platz bietet. Hier befindet sich auch eine kostenlose Slipstelle.

2. Tag, So 5.7.2009
Schon bei der Planung der Reise war allen klar, wir müssen früh morgens loslegen, um all die Etappen zu schaffen. Dementsprechend Wecken 0600, dann gemütliches Frühstück mit Toast und Abfahrt 1000. En passant werden letzte Ausrüstungsgegenstände wieder ins Auto gebracht und andere dafür geholt - gar nicht schlecht, manchen Dingen eine zweite Chance zu geben.
Die Donau ist ruhig und es ist wenig Verkehr, am ehesten noch Wasserschifahrer und ähnliche. Rasch folgen die ersten Schleusen:  Bad Abbach und Regensburg. Diese zeichnen sich durch eine spezielle, kleine Sportbootkammer mit Selbstbedienung aus. Auch die Eingeborenen sind nicht sicher, wie man da „Rauf“ und „Runter“ einstellt, aber nach bisschen Rumdrücken tut es eh, was wir wollen. Das Wetter wird nun zunehmend wechselhaft, am frühen Nachmittag erreichen wir Regensburg das erste zivilisatorische Highlight der Reise. Vom Boot aus gibt es einen schönen Blick zum Dom aber auch das Wasser ist nicht ohne: Die Strömung unter der steinernen Brücke ist enorm, bergauf nur knapp zu schaffen. Als Rastplatz für Mittag wählt Hartl einen Platz unter der Schwabelweiser Brücke: Sehr angenehm, vor allem, da ein kurzes aber heftiges Gewitter folgt. Astrid und Dagmar bereiten die Tortellini in Käsesauce am Gaskocher zu und wir essen gemütlich. Dann reißt es wieder auf und wir gehen wieder aufs Wasser. Am Weg liegt dann Walhalla, ein etwas schrulliges, klassizistisches Gedenkbauwerk des Freistaats Bayern. Das Wetter bleibt wechselhaft, teilweise Gewitter, mit der Schleuse Geisling kommt die erste richtig große Schleusenkammer. Ein Platz für die Nacht ist bei Stromkilometer ca. 2348 schnell gefunden, ein wenig voreilig vielleicht, wie sich herausstellen wird.

3. Tag, Mo 6.7.2009
Um 0600 gibt es Alarm im Lager: eine Flutwelle hat einen Großteil des Materials mit sich gerissen und mit ihrer Wucht auch die Boote mehrere Meter weit an Land geschoben. Bibi und Hartl machen sich sofort auf die verlorenen Gepäckstücke zu suchen. In der Zwischenzeit versuchen die übrigen die Gegenstände, die direkt beim Lagerplatz untergegangen sind, zu bergen. Zu allem Überfluss setzt heftiger Regen ein. Gegen Mittag sind Bibi und Hartl wieder zurück: Sie haben bis zur nächsten Schleuse Straubing, das sind in etwa 20 Kilometer, gesucht und alles Wichtige inklusive Autoschlüssel und Espressokanne gefunden. An Verlusten gibt es nur Gebhards Wasserkanister, den Gaskocher und den Kochtopf zu beklagen. Nach einer kurzen Suppe und Kaffee am offenen Feuer   mit Notfallrost dann Abfahrt um 1330. Das Wetter ist mittlerweile besser, so steht einem Einkauf im Deggendorf nichts im Weg. Neben Bio-Benzin und 2 Takt Öl werden Halb- und Dreiviertelfertigprodukte gebunkert. Ohne Kocher ist alles etwas komplizierter. Ein Übernachtungsplatz findet sich dann bei Stromkilometer 2282, gegenüber ist die Autobahn. (Also ähnlich wie unser Stromkilometer 1938 bei der Pionierbrücke nur ohne Lärmschutzwand und Tempolimit auf der Autobahn, also noch lauter). Es ist der erste Schlafplatz in der Au, dementsprechend die ersten Gelsen, die aber gegen 2200 schlafen gehen. Trotzdem ist allen zum Feiern zumute und dementsprechend wird das „noch ein Glück“ von heute früh mit Sekt und Aldi Süd Buletten begossen.

4. Tag, Di 7.7.2009
Trotz des Straßenlärms wird es eine friedliche Nacht, die Astrid und Dagmar, mit der Zubereitung des Frühstückkaffees unter Zuhilfenahme der Luftpumpe als Waffe gegen das nasse Feuerholz, geräuschvoll beenden. Es wird ein gemütlicher Tag. Nach der  Abfahrt um 1045 bleibt es auch sonnig, sodass nach all den Strapazen fürs Mittagessen der Gastgarten des Bootshafens Hofkirchen angesteuert wird. Nach pfannengebackenem Cordon Bleu und weiterer Treibstoffbeschaffung (unglaublich wie durstig der gelbe Suzuki DT25-Motor ist) geht’s weiter zur Schleuse Kachlet und dann kommt auch gleich Passau. Mittlerweile setzt heftiger Regen ein, der Inn, der ja in Passau in die Donau mündet, hat schon die Höhe der Parkbänke der Uferpromenade erreicht. Die Schlafplatzsuche Stromabwärts gestaltet sich überaus mühsam. An beiden Ufern sind Straßen oder Wald, es ist nichts Geeignetes zu finden. Der Regen wird stärker, es beginnt zu dämmern, der letzte Tropfen Whisky spendet auch nicht viel Trost.
Doch da erscheint bei Stromkilometer 2205 linksufrig ein kleiner Hafen mit einem kleinen Holzhaus mit einem kleinen Schild. „Seascouts“ ist darauf zu lesen, und durch ein kleines Fenster ist ein schwaches Licht zu sehen. Durchnässt fallen wir mit der Tür ins Haus und fragen nach Herberge. Es stellt sich heraus, dass hinter dem kleinen Haus noch ein Jungendgästehaus steht, das mit heißer Dusche, WC und Betten ausgestattet ist, die wir allesamt gerne in Windeseile beziehen. Weiters will der Zufall, dass der erste Dienstag im Monat Sponsorentag ist, da wird aufgekocht für die Dorfkaiser, die dann fürs Essen spenden. Auch wir werden wie die Kaiser mit Schweinsbraten, Krautsalat und Himbeertorte bedient. Und dann die Nacht im warmen Bett, herrlich wie sich doch alles immer wieder fügt. Und außerdem stellt sich heraus, dass die „European Sea Scouts e.V.“ gar keine Pfadfinder sind, sondern ein abgespaltener Arm der deutschen Marinejugend oder so etwas ähnliches, auch wurscht. Auch wenn es Pfadfinder gewesen währen, hätte die Gastfreundschaft nicht größer sein können.

5. Tag, Mi 8.7.2009
Die Annehmlichkeiten gehen munter weiter, Frühstück mit frischen Semmeln vom besten Grünauer Bäcker. Der Regen hat auch aufgehört, um 1000 geht es weiter zur  Schleuse Jochenstein, hinter der Dandlbachmündung ist die Donau dann links und rechts österreichisch, also sind wir schon fast wieder daheim. Der erste Zwischenstop ist dann in Engelhartszell. Hier haben Astrid und Dagmar ihr Auto geparkt, leider haben sie noch andere Verpflichtungen und müssen schon wieder heim. Nach einem kurzen Jäuschen und mit frischem Benzin gewappnet geht es weiter, das Wetter bleibt regnerisch aber gelegentlich zieht ein Tarnkappenbomber blaue Transparente über den Himmel, auf denen manchmal auch die Sonne aufgemalt ist. So passieren wir die berühmte Schlögener Schlingen, die von der Donau aus gar nicht so beeindruckend sind.
Bei Stromkilometer 2180 folgt ein ziemliches Hoppala. Nach einer krassen Fehleinschätzung (Freibord minus Wellenhöhe deutlich kleiner Null) wird Rosamunde einigermaßen abgefüllt. Sie wird aber umgehend ausgeschöpft und leergepumpt.
Weiter geht es mit der Schleuse Aschach und dann folgt die allabendliche Schlafplatzsuche. Die Donau ist hier zwar im Bett aber doch recht hoch, so dass die blitzblanken Schotterbänke unter Wasser sind, nur die Gatschstrände sind heraußen. Gott sei Dank hat der Wilheringer Bürgermeister zur Sicherstellung seiner Wiederwahl unterhalb der Fähre Wilhering Ottensheim bei Stromkilometer 2144 ein Naherholungsgebiet mit Sitzbankerl, Beachvolleyballplatz und Hyclo errichten lassen. Zusätzlichen Komfort verschafft Brigitta mit ihrem Essen auf Rädern, die uns mit Haupt- und Nachspeise verwöhnt. Codo hat wegen der guten Vorbereitung dieses tollen Übernachtungsplatzes einen Heimschläfer bekommen.

6. Tag, Do 9.7.2009
Mit frischem Kaffee und Gebäck gestärkt geht es gegen 1030 los Richtung Kulturhauptstadt. Hier wollen wir Ameli als neue Mitreisende aufnehmen. Als Treffpunkt wird praktischerweise gleich das Gasthaus „Goldenes Schiff“ ausgemacht, wo wir uns präventiv stärken wollen, man weiß ja nie, was kommt. Die Wirtsleute bedienen uns sehr zuvorkommend, sind aber vermutlich trotzdem froh, wie wir unsere Schwimmwesten und das Ölzeug von der Garderobe nehmen, die sonst nur Boss Sakkos kennt. Und die Lackerln unter den Sesseln von unseren Neoprenschuhen trocknen von allein. Unterhalb der Schleuse des Kraftwerkes Abwinden-Asten ist dann linksufrig Mauthausen und gegenüber der Ennshafen und die Ennsmündung ( heisst Verbot für Sport- und Vergnügungsfahrzeuge). Bei Stromkilometer 2111 gibt es dann eine sonnige Kaffeepause mit einem erfischenden Bad im frischen Strom. Gut ausgeruht kommt dann der nautische Höhepunkt unserer Donau: nach der Schleuse Wallsee der Struden bei Grein, an der Grenze zwischen Oberösterreich und Niederösterreich: die größte Herausforderung bei der Prüfung zum Schiffführerpatent ist das Auswendiglernen der Fahrordnung des Struden, da gibst Lichterketten, Festlichter und blickende Lichter in weiß, rot und grün. Wir sind alle verblüfft von der schnellen Strömung und den hohen Wellen, aber alles kein Problem. Es folgt die allabendliche Suche nach dem Schlafplatz, die hierorts auch wieder mühsam ist: schlussendlich finden wir eine Stelle am Treppelweg(Radweg), wo wir unsere Boote hinter zwei vor Anker liegenden, Lastkähnen verstecken können. Noch vor dem Ausladen kommt ein Schubverband, der uns mit bulgarischen Akzent mitteilt, er will da auch schlafen und wir sollen die Boote hinter dem Lastkahn, den er gleich 100 Meter oberhalb montieren wird, verstecken, der ist bis morgen Mittag da weil die wo wir uns jetzt festgebunden haben nimmt er um 6 Uhr mit. Wir kommen dem natürlich nach hängen die Boote um und bauen unsere Zelte auf, gekocht wird am Treppelweg, als Mitternachtssnack gibt’s dann frische Toasts vom Lagerfeuer, das wir in einem Seitenweg entfachen. (Die Frau Hausbesitzer fährt rundherum ums Feuer ohne zu schimpfen, so überrascht ist sie.)

7. Tag, Fr 10.7.2009
In der Früh, wenn wir nur langsam in die Gänge kommen, sehen wir bereits das beginnende Leben am Treppelweg: Unmengen Radfahrer, die Post, Lieferanten, alle fahren durch unser Esszimmer. Um 1000 geht’s dann los Richtung Schleuse Ybbs-Persenbeug. Das Mittagessen ist dann in Marbach (Stromkilometer 2050) in einer Pizzeria mit hervorragender, nicht eingefrorener Fischsuppe. Die Tankstelle ist leider seit vier Monaten geschlossen. Nach der Schleuse Melk (die sich öffnenden Schleusentore bietet einen wunderschönen Blich auf das Kloster) beginnt die Wachau, der wohl berühmteste Teil der Donau. Diese präsentiert sich wie im Sagenbuch: herrliches Wetter, wunderschön durch die Abendsonne beleuchtet, idyllische Weinberge mit Terassen, alles was man sich so vorstellt. Bei Dürnstein heißt es dann auch für Sonja, den Heimweg antreten, Dieter holt sie ab, aber bevor sie abfahren versorgen sie uns noch mit Erfrischungen. Wir beginnen dann gegenüber von Dürnstein mit der Schlafplatzsuche, leider ist das Wasser recht hoch überhalb alles voll mit Gatsch und Gelsen. So fahren wir weiter Richtung Krems und auch da hilft uns wieder der Zufall: der Hafenmeister der Freiwilligen Feuerwehr Mautern ist zufällg am Steg und erlaubt uns, die Boote in seinem Hafen anzubinden und auch die Zelte aufzustellen und hat auch kaltes Bier. So haben wir dann ein gemütliches Platzerl mit romatischem Ausblick auf Krems zu unserem Spargel-Reisgericht.

8. Tag, Sa 11.7.2009
Auch hier in der Früh reger Betrieb am Treppelweg. Die Zelte und das Material sind rasch gepackt. Das Donauufer unterhalb von Krems ist geprägt von Auwäldern, es herrscht da auch wenig Abwechslung. Am imposantesten ist noch die neue Donaubrücke bei Traismauer und dann vor Tulln auch die Donauchemie. In Tulln sind die Arbeiten bei der Renovierung der alten Donaubrücke im Gange, hier treffen wir den Hafenmeister der FF- Mautern wieder, der hier am Wochenende als Sicherheitschef arbeitet. Weiter geht es in Richtung der letzten Schleuse Greifenstein, knapp oberhalb gibt’s noch ein vorzügliches Mittagessen. Der ursprüngliche Plan, in Höflein die Boote aus dem Wasser zu holen, wird von einer dicken Schlammschicht verhindert und so fahren wir, mit den letzten tropfen Benzin, weiter bis Klosterneuburg zum Ausstreifplatz unterhalb der Pionierkaserne. Bei Stromkilometer 1937,5 sind wir dann endgültig am Ziel, noch rasch ausräumen, abbauen, zerlegen, einräumen und aufladen und schon geht’s zurück in die Zivilisation.
Nach diesem superben Abenteuer sind wir alle schon gespannt, wie denn der untere Teil der Donau ausschauen wird, so Richtung Budapest, Belgrad oder gleich bis ans Schwarze Meer.


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